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| Gertrud Rogg, Chefredakteurin |
vor jeder Reise nach Afrika durchforste ich meinen Kleiderschrank und packe die Kleidungsstücke ein, die ich schon länger
als zwei Jahre nicht mehr getragen habe. Und noch immer konnte in Afrika ein Mensch mit niedrigem oder gar keinem Einkommen
mit meinem Aussortierten etwas anfangen. Anfangs hatte ich ein zwiespältiges Gefühl: Mein olles Zeug jemand anderem schenken?
Wer bin ich denn und wie kommt das an? Längst habe ich Methoden gefunden, diese Waren unauffällig bei den Leuten zu platzieren,
beispielsweise mit der Frage, ob ich was dalassen könne, weil mein Fluggepäck zu schwer wird. Und an den lachenden Augen und
den zugreifenden Händen merke ich, dass mein Überbleibsel durchaus willkommen ist. Mit einem guten Gefühl geben und in Würde
nehmen zu können sollte die Devise sein. Dieses Ziel verfolgen auch die vielen Tafelläden in Deutschland. Dort tauchen die
Ärmsten unserer Gesellschaft auf. Und es ist hier vergleichbar mit der Entwicklungshilfe in Afrika: Die Tafeln helfen Not
zu lindern, aber sie wollen den Menschen nicht die Würde nehmen. Außerdem ersetzen sie nicht die strukturelle Hilfe zur Selbsthilfe
und die staatliche Verantwortung für die Bekämpfung der Armut durch die Garantie eines soziokulturellen Existenzminimums.
Deshalb ist es gut, wenn eine Tafelinitiative ihren Laden ins Netzwerk sozialer Angebote der Caritas einbindet und die Menschen
nicht nur &bdquoabspeist&ldquo. Denn sonst würden wir zu Recht die immer wieder geäußerte Kritik bestätigen, dass wir diese
Menschen zu &bdquoHausschweinen der Nation&ldquo verkommen lassen.
Gertrud Rogg
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