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Die Sucht im Griff
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Weil man selbst am besten weiß, wann es gefährlich wird. Mit Selbstkontrolltraining Schritt für Schritt zu einem Leben mit
immer weniger Zigaretten, Alkohol, Drogen
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An den Moment, der sein Leben veränderte, erinnert sich Sven* ganz genau. "Ich stand wieder einmal vor dem Richter und wartete
auf meine Strafe." Urteile wurden gefällt, Entschädigungen verlangt. Ob diese jedoch das wiedergutmachen können, was er getan
hat, weiß der 18-Jährige nicht. Wozu sie geführt haben, schon: An diesem Tag beschloss er, sein Leben zu ändern, weniger zu
kiffen, weniger zu saufen und weniger zu schlagen.
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Michael Ostertag trinkt leidenschaftlich gerne. Ein tiefroter Barolo, ein teurer Château oder ein kühles Bier bedeuten für
den Allgemeinmediziner Genuss. Mit seinen Kollegen gemeinsam einige gute Flaschen zu leeren gehört für ihn zur Geselligkeit.
"Ich bin ein Genusstrinker, allerdings in dem Maß, dass ich schon zweimal den Führerschein abgeben musste." Die Grenze zum
Alkoholismus vermag er schon lange nicht mehr ziehen. "Doch jetzt ist genug", sagt der 45-Jährige. "Ich will mein Trinken
kontrollieren."
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Christian war zehn, als er sich das erste Mal mit Alkohol zuschüttete. Es folgte die klassische Drogenkarriere: mit elf Haschisch,
dann Marihuana, mit 13 Speed und Ecstasy. Das Geld dazu beschaffte er sich durch Klauen. Mit 16 verdonnerte ihn das Gericht
zu Aufenthalten in betreuten Tagesgruppen, und mit 18 wurde er zur ersten Bewährungsstrafe verurteilt. "Es ist ganz leicht,
sein Leben zu verschwenden und sich deshalb auch noch schlecht zu fühlen." Ihm reicht es jetzt: Er will raus aus diesem Teufelskreis,
er will nie wieder abrutschen.
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Nichts ist leichter als sich zu entscheiden, sein Leben zu verändern. Und nichts ist schwerer als die Umsetzung. Leichter
fällt es in jedem Fall mit Unterstützung. Speziell für Menschen mit riskantem Konsumverhalten startete die Caritas das Bundesmodellprojekt
Selbstkontrolltraining" (Skoll), das vom Bundesgesundheitsministerium finanziell unterstützt wird. An 16 Standorten, verteilt
auf vier Regionen in Deutschland, werden Skoll-Therapien angeboten. "Es soll Menschen anregen, sich aktiv mit ihrer Sucht
zu beschäftigen", sagt der überzeugte Anhänger der Idee, Diplom-Sozialpädagoge Wolfgang Ehreiser von der AGJ Heidelberg, dem
Fachverband für Prävention und Rehabilitation der Erzdiözese Freiburg.
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In der suchtstoffübergreifenden Therapiegruppe in Heidelberg arbeiten zurzeit zehn Männer an der Verwirklichung selbst gesteckter
Ziele. Die Spieler, Kiffer, Raucher, Internetsüchtigen und Alkoholkranken sind Teilnehmer der Skoll-Gruppe der AGJ-Suchtberatung.
Gemeinsam haben alle das Ziel, ihre Süchte in den Griff zu bekommen. "Vor allem die Mischung aus Personen mit unterschiedlichen
Abhängigkeiten und die großen Altersunterschiede wirken sich positiv aus", bemerkt Ehreiser. "Die Jugendlichen profitieren
von der Lebenserfahrung der Älteren und hören schon mal genauer hin, was die erzählen", bejaht sein Kollege Marco Eichelsheimer.
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Wochenplan und Tagebuch
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Täglich kiffen, um runterzukommen, damit die Welt in Ordnung kommt, war für Björn normal. Ohne Joint bekam er nichts mehr
auf die Reihe. Inzwischen raucht er nur alle fünf Tage einen. Dass das klappt, kann er selbst nicht richtig glauben: "Doch
mir geht&rsquos echt besser." Eigentlich hat er nur das getan, was er in den Sitzungen lernte: Die Risikosituationen ausklammern!
Also den Kumpels, die ihn immer wieder zum Kiffen verführen, aus dem Weg zu gehen. "Die meide ich jetzt." Hauptsache ist,
dass seine persönliche Cannabisbilanz stimmt. Ein ungewöhnlicher Weg, aber wirkungsvoll.
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Bei Skoll muss jeder sein Verhalten genau beobachten und protokollieren. Ein selbst geführtes Tagebuch bringt die Wahrheit
ans Licht, ob die Anfang der Woche getroffenen Zielvereinbarungen eingehalten wurden. "Die Woche lief prima", erzählt der
Genusstrinker seinen Schicksalsgenossen. "Nur einmal musste ich mehr eintragen." Es erfordert Disziplin, penibel zu notieren,
wie viel und in welcher Situation getrunken wurde, berichtet er. Das Programm will die Betroffenen für ihren Konsum sensibel
machen, damit sie schließlich Belastungen auch ohne oder mit weniger Alkohol, Cannabis, Nikotin oder Speed bewältigen.
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Reden hilft doch
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"Da merkt man schnell, wie die Sucht in einem tickt, wie sie einen im Würgegriff hat", sagt Sascha. Der 14-Jährige will sich
mit Skoll das Rauchen abgewöhnen. "Sobald ich Stress habe, zünde ich mir eine Kippe an." Massive Probleme hatte er deswegen
schon im Schulunterricht. Anfangs hat er seine ganze Tagesration gleich nach Schulschluss verqualmt. Vier Sitzungen später
versucht er erst mal ruhig zu bleiben, durchzuatmen und seine Sucht zu unterdrücken. Jetzt kann er seine Zigarettenration
besser einteilen und sogar drosseln. "Und irgendwann ist ganz Schluss damit &ndash garantiert."
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Zehn Sitzungen à 90 Minuten umfasst die Gruppentherapie. Der Erfahrungsaustausch ist mit einer der wichtigsten Punkte des
Programms, sagt Ehreiser. "Im Gespräch wird ein Denkprozess in Gang gesetzt." Dabei werden neue Verhaltensweisen eingeübt,
Selbstbewusstsein gestärkt, über Ausrutscher und Rückfälle gesprochen und Ideen für suchtfreie Freizeit gesammelt. Es geht
darum, Strategien zu entwickeln, um die Suchtmittelzufuhr bewusst zu steuern. "Jeder hat seine eigenen Schwächen, die sollte
er nur kennen", zeigt Eichelsheimer auf. Das Problem ist das Maß &ndash das man nur mit Selbstkontrolle in den Griff bekommt.
"Klappt das, fühlt sich das Leben auch wieder reicher an."
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Andrea Steinhart
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Infos: Koordinatorin des Bundesmodellprojekts Skoll ist Sabine Bösing vom Diözesan-Caritasverband Osnabrück, Tel. 0160/7093299, E-Mail:
sboesing@caritas-os.de
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Skoll richtet sich an Jugendliche und Erwachsene,
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- die sich fragen, ob sie riskanten Gebrauch von Suchtstoffen betreiben oder
- problematisches Verhalten ausüben,
- die risikoarmen Konsum anstreben,
- die einem Rückfall vorbeugen wollen,
- die sich vor Abhängigkeit schützen wollen.
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Sie sollen bereit sein, riskanten Konsum oder Verhalten zu überdenken, und fähig sein, in einer Gruppe mit anderen mitzuwirken.
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