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| Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann |
Gerechtigkeit statt Experimentieren
Viel ist in den letzten Jahren von besserer Bildung geredet worden. Es mangelt auch nicht an immer neuen Reformen von Lehrplänen
und Schulorganisation. Das Ergebnis zeigt, dass es vielfach ein Herumdoktern an Symptomen ist und - noch schlimmer - manchmal
nur Experimente mit ungewissem Ausgang sind. Die aber über Gelingen oder Scheitern von Lebensentwürfen entscheiden können. Ob wir es schaffen, allen Kindern gleiche Chancen auf Bildung einzuräumen, ist die soziale Frage dieses Jahrhunderts. Bildungsgerechtigkeit
ist der Schlüsselbegriff. Das meint weit mehr als die Durchlässigkeit der verschiedenen Schulformen. Um sie zu erreichen,
müssen wir weit tiefer gehen. Das fängt bei den Familien an. In keinem anderen Pisa-Land hängt der Bildungserfolg so sehr von der sozialen Herkunft ab wie
in Deutschland. Dass arme Kinder weit geringere Chancen haben auf einen guten Schulabschluss und folgende Ausbildungsmöglichkeiten,
weist den Weg, wie die Ursachen angegangen werden können. Die Familien müssen in ihrer Bildungs- und Erziehungskompetenz gestärkt werden, damit sie ihre Kinder unterstützen können.
Und Bildung muss für alle Familien bezahlbar bleiben. Stifte, Bücher, Klassenfahrten, Kopien, Übermittagbetreuung - von einstmals
angestrebter Kostenfreiheit der Schulen sind wir weiter entfernt denn je. Dabei haben Kinder aus armen Familien ohnehin Startnachteile, wenn ihren Familien das Geld für Vereinsbeiträge oder die Musikschule
fehlt. Ihnen auch diese sozialen Erfahrungen und eine Bildung neben Rechnen und Schreiben zu ermöglichen, gehört auch zur
Bildungsgerechtigkeit.
Heinz-Josef Kessmann Diözesancaritasdirektor
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