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wer arm ist, von Sozialleistungen lebt, mehrere Kinder hat, vielleicht noch alleinerziehend den Alltag meistert und über keine
höhere Schulbildung verfügt - erst recht, wer verschuldet ist oder keine Wohnung mehr hat - gilt bei uns als sozial schwach.
Ein schwacher Begriff, den wir zu selten hinterfragen. Warum legt die Höhe des Einkommens fest, wer sozial schwach ist? Sind dann alle Wohlhabenden sozial stark? Verwechseln wir
da nicht sozial mit wirtschaftlich? Wer ist sozial schwach? Der Obdachlose, der jahrzehntelang auf der Straße lebt und keine
Unterstützung in Anspruch nimmt, sondern sich durch Straßenmalerei, Musik oder Bettelei am Leben hält? Viele, die auf der
Straße leben denken so. Sie wollen der Allgemeinheit nicht zur Last fallen und nehmen erst im höheren Alter, wenn es nicht
mehr anders geht, Hilfe in Anspruch. Und ist ein Banker, der Milliardenwerte in Luft aufgelöst und tausende Menschen in den Ruin getrieben hat, dessen Bank zum
Überleben Hilfen des Steuerzahlers braucht, die jeden bisherigen Maßstab sprengen und viele Generationen finanziell belasten,
sozial stark? Nur weil er einen feinen Anzug trägt und nicht nach Straße riecht? Wenn es so wäre, müsste er ja sozial immer
stärker werden, wenn er trotz horrender Verluste einen Bonus bekommt, von dem viele Obdachlose bis zu ihrem Lebensende fürstlich
leben könnten. Nicht anders prominente Steuersünder, die als Wirtschaftskapitäne, Sportler, Künstler oder Politiker ihre Solidarabgaben verweigern
und zu oft mit milden Strafen davonkommen. Mit einem solchen Verhalten stellen sie sich doch selbst an den sozialen Rand der
Gesellschaft. Doch kaum einer käme auf die Idee, sie als sozial schwach zu bezeichnen. Eher als clever oder höchstens als ungeschickt, wenn
sie sich entdecken lassen. "Soziale Manieren gegenüber Menschen am Rande", das Caritasmotto in diesem Jahr, bekommt hier eine
andere Dimension. Kann man es wirklich darauf beschränken, ob ein Bettler auf der Straße freundlich gegrüßt oder angelächelt
wird? Soziale Manieren müssen auch beinhalten, wieweit man sich in die Gesellschaft einbringt, wieweit man Verantwortung übernimmt
für sich selbst und das Gemeinwohl. Und das kann ein Obdachloser genauso wie viele Menschen im feinen Zwirn. Daher gehören
solche Menschen auch nicht an den Rand der Gesellschaft. Sondern in die Mitte. Zu diesem Thema hat der Diözesan-Caritasverband seinen Vinzenzpreis 2009 ausgeschrieben. Unterfränkische Firmgruppen rufen
wir auf, uns ihre Begegnungen und Erfahrungen mit Menschen am Rande der Gesellschaft zu schildern. Etwas Zeit zum Lesen wünscht Ihnen
Ludger Heuer
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